Geliebter Goj – Gleichstand

Eine der schönen Dinge an der Beziehung zwischen Balthasar und mir ist, dass ein gewisser Gleichstand zwischen uns herrscht. Weiterlesen „Geliebter Goj – Gleichstand“

Gedankensplitter: Religionen kann man nicht kennen lernen, indem man nur ihre Heiligen Schriften liest

Letztens hatte ich eine christlich-jüdische Sitzung, bei der wir für ein Projekt versucht haben, die wichtigsten Ideen des Christentums zusammenzusammeln. Alle hatten schon Ideen vorbereitet und wir haben versucht, aus ihnen Kategorien zu bilden. Auf einmal habe ich gemerkt, dass meine Ideen alle aus dem Neuen Testament stammten. Es gab aber letztendlich dreizehn Kategorien, von denen das Neue Testament nur eine war. Ich wusste schon davor irgendwie, dass die Grundlagentexte einer Religion nicht das Gesamtbild dessen ausmachen, wie diese Religion gelebt wird. Christ_innen sehen häufig das Judentum als eine im Alten Testament beschriebene Religion – bis sie Jüd_innen kennenlernen und merken, dass wir keine Sandalen tragen, quicklebendig sind und zum Jüdischsein viel mehr dazugehört als der Tanach. Aber die Erkenntnis hat mich in diesem Moment voll erfasst. Ich lebe in einer christlichen Gesellschaft, bin mit einem Katholiken zusammen und trotzdem ist mein erster Reflex, wenn ich die Summe des Christentums beschreiben soll, mich ausschließlich an dessen Heiliger Schrift zu orientieren und nicht einen Moment lang an die zweitausend Jahre lebendiger Praxis zu denken, die darauf gefolgt sind.

 

Was so übel an Mission ist

Sowohl die katholische Kirche als auch viele evangelische Kirchen haben mittlerweile im Licht der Geschichte und der erneuerten Theologie beschlossen, den Vers Matthäus 28,19 („Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker“) nicht mehr auf Jüd_innen anzuwenden. Das ist ein großer und guter Schritt, der aber nicht von allen begrüßt wird; ich habe selber schon einige Missionsversuche unbekehrt überstanden. Für die Christ_innen, die trotz des dogmatischen Charakters der Abkehr von der Judenmission nicht darauf verzichten möchten, möchte ich hier einige Gedanken dazu teilen. Weiterlesen „Was so übel an Mission ist“

Geliebter Goj – Die Sauerrahm-Apfelmus-Debatte

Zu Channukkah isst man Latkes, das sind in viel Fett herausgebackene Kartoffellaberln. Wenn das Öl heruntertrieft, sollen wir daran denken, dass Gott nach der Widereinweihung des Tempels durch die Makkabäer eine kleine Ölmenge acht Tage lang hat halten lassen, bis neues reines Öl für den Tempelleuchter hergestellt war. Darüber sind wir Jüdinnen und Juden uns einig. Worüber erbittert diskutiert wird, ist, ob die Latkes mit Sauerrahm oder mit Apfelmus verzehrt werden sollen. Weiterlesen „Geliebter Goj – Die Sauerrahm-Apfelmus-Debatte“

Gimme the Kitsch!

Mir ist klar, dass für praktizierende Christ_innen Weihnachtsramsch und Osterrummel kein authentischer Ausdruck der religiösen Bedeutung ihrer Feiertage sind. Aber die in glänzende Folie eingehüllten Schokoladennikoläuse und die bunt gefärbten Ostereier, die inflationär die Supermärkte schon Monate von dem eigentlichen Fest überfluten, sind auch Reviermarker des so genannten „christlichen Abendlandes“. Weiterlesen „Gimme the Kitsch!“