Gedankensplitter: Religionen kann man nicht kennen lernen, indem man nur ihre Heiligen Schriften liest

Letztens hatte ich eine christlich-jüdische Sitzung, bei der wir für ein Projekt versucht haben, die wichtigsten Ideen des Christentums zusammenzusammeln. Alle hatten schon Ideen vorbereitet und wir haben versucht, aus ihnen Kategorien zu bilden. Auf einmal habe ich gemerkt, dass meine Ideen alle aus dem Neuen Testament stammten. Es gab aber letztendlich dreizehn Kategorien, von denen das Neue Testament nur eine war. Ich wusste schon davor irgendwie, dass die Grundlagentexte einer Religion nicht das Gesamtbild dessen ausmachen, wie diese Religion gelebt wird. Christ_innen sehen häufig das Judentum als eine im Alten Testament beschriebene Religion – bis sie Jüd_innen kennenlernen und merken, dass wir keine Sandalen tragen, quicklebendig sind und zum Jüdischsein viel mehr dazugehört als der Tanach. Aber die Erkenntnis hat mich in diesem Moment voll erfasst. Ich lebe in einer christlichen Gesellschaft, bin mit einem Katholiken zusammen und trotzdem ist mein erster Reflex, wenn ich die Summe des Christentums beschreiben soll, mich ausschließlich an dessen Heiliger Schrift zu orientieren und nicht einen Moment lang an die zweitausend Jahre lebendiger Praxis zu denken, die darauf gefolgt sind.

 

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