Interreligiöse Normalität Teil II: Veganista

Mancherorts ist die Welt schon gut. Dort, wo es Platz für mehr als eine Religion gibt und wo niemand Angst hat, dass ihm ein Zacken aus der Krone bricht, wenn er auch an Minderheiten denkt. Ich nehme euch mit an ein paar Lieblingsorte, wo Menschen unterschiedlicher Religionen Raum füreinander gemacht haben. Wenn die Temperaturen steigen, können Jüd_innen, Muslim_innen und alle anderen trotzdem ganz cool bleiben und miteinander Eis essen gehen – dafür sorgt Veganista.

„Veganista wurde von den Schwestern Susanna und Cecilia gegründet. Beide sind seit mehr als 20 Jahren vegan und haben in den letzten Jahren viel Erfahrung im Bereich Eisproduktion, Verkauf und Business gesammelt, um das beste vegane Eis nach Wien zu bringen.“, soweit die selbsternannten „Pionierinnen der Neuen Eiszeit“ auf ihrer Website. Bei der Auflistung ihrer Werte finden sich „Biologisch“, „Regional“ und „Spaß“ – kein Wort von „Interreligiöser Verständigung“. Die scheint für die beiden Frauen so normal zu sein, dass sie gar nicht erst auf die Werteliste kommt.

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Bild: Adaptiert von VIENNA.at

Seht ihr die beiden weißen Zettel an der Glasfront des Eissalons in der Taborstraße 15? Der obere ist ein Hechscher, ein Koscher-Zertifikat, ausgestellt von Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister. Auf der Website der IKG ist vermerkt, dass nur das Eis koscher ist – Koscher Essende sollten also lieber auf die Tüten verzichten und einen Becher nehmen. Das Zertifikat erstreckt sich auch auf die Filialen im fünften, siebten und neunten Wiener Gemeindebezirk.

Darunter findet sich auch ein Halal-Zertifikat. Liebe Muslim_innen und/oder Religionswissenschaftler_innen, ich würde mich total über Kommentare freuen, worauf man bei Eis achten muss, damit es halal ist, und wer in Österreich aller Halal-Zertifikate ausstellen darf.

Vielleicht haben die beiden Schwestern aus ihrer veganen Lebensweise gelernt, dass es viele Menschen gibt, die bestimmten Regeln in Bezug auf ihr Essen folgen. Als ich die Gelegenheit bekomme, mit Cecilia über Twitter zu plaudern, erklärt sie mir, wie sie auf die Idee gekommen ist: „Ich habe ja lange in Toronto und Los Angeles gelebt. Dort war es ganz normal, dass man versucht, alles was geht auch kosher zu machen. Bei uns war das überhaupt nicht so und deswegen wollte ich das unbedingt. Ich wollte, das unser Eis für alle zugänglich ist. Es ist zwar viel Arbeit, aber das ist es Wert! Ich und meine Schwester freuen uns wirklich sehr, dass wir es geschafft haben, obwohl die Kontrollen sehr streng sind. “

Ich finde es großartig, dass sie nicht nur auf die Bedürfnisse ihrer eigenen Gruppe der Veganer_innen schauen, sondern auch darauf, wer noch aller gerne Eis isst. Denn koscher lebende Jüd_innen mögen Perücken und osteuropäische Hüte tragen – an den Geschmackspapillen ändert das nichts. Eis ist einfach gut! Die beiden Schwestern freuen sich auch, dass ihr Angebot gerne angenommen wird. Cecilia meint: „Es ist so schön, jüdische Kinder in unserem Shop zu sehen. Das macht mir große Freude! Eines der besten Dinge, die ich je gemacht habe!“

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