Interreligiöse Normalität Teil V: Der Garten der Religionen in Stift Altenburg

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Alle Bilder in diesem Beitrag (c) Davidssplitter, 2018

Als Reaktion auf meinen Abschiedsbrief in der Zeitschrift meiner Arbeitsstelle hat mir unser Beiratsmitglied Altabt Christian von Stift Altenburg eine sehr liebe E-Mail geschrieben, in der er mich auch eingeladen hat, den „Garten der Religionen“ zu besuchen, den sein Stift vor einigen Jahren angelegt hat. Da ich im Sommer ohnehin in der Nähe war und gerade für den Führerschein Autofahren übe, habe ich meine Mischpoche eingepackt und sie wohlbehalten, aber mit überschaubaren 60 kmh Maximalgeschwindigkeit, nach Altenburg gebracht.

Weil wir den Ausflug etwas spontan beschlossen hatten, sind wir gerade zur Gebetszeit (Mein Freund, ein ehemaliger Mönch: „Höhöhö, sie haben gerade Sext, höhöhö“) gekommen (no pun intended). Die Rezeptionistin – oder nennt man das Pförtnerin? – meinte, Abt Christian sei im Haus, aber erst ab 14 Uhr zu erreichen. Also machten wir uns zuerst auf die Suche nach dem Garten der Religionen. Beim Parkplatz, hatte die Dame gesagt. Verunsichert beäugten wir eine vertrocknete Grünfläche, die von ein paar Statuen und barock geschwungenen Büschen verziert wurde. Sollte das der unter Beihilfe des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit mit großer Feierlichkeit eröffnete Begegnungsort sein? Mein Vater vertrat zunehmend die Ansicht, dass es sich bei dem nahegelegenen Sportplatz um den Garten der Religionen handeln müsse, immerhin seien dort mehrere Religionen vertreten: Fußball, Basketball… Aber als wir einem langen Weg gefolgt und halb am Verdursten waren, entdeckten wir auf einmal ein Schild:

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Ha! Mit frischer Begeisterung zog es uns zuerst in den Teil des Areals, in dem der Bereich des Judentums angelegt war. Ab und zu sahen wir Schilder, auf denen zwar religiöse Begriffe wie „Reform“ und „Umkehr“ standen, die jedoch auf die lokale Flora bezogen waren.

IMG_20180812_130436Erst später sollte uns Abt Christian erklären, dass derzeit die witterungsgegerbten Schilder, die den geneigten Besucher_innen die Symbolik des Gartens erschließen sollten, derzeit restauriert werden. So wunderten wir uns nur, dass unsere wilden theologischen Deutungsversuche auf keinerlei Weise in geregelte Bahnen gelenkt wurden.

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„Das muss das gespaltene Schilfmeer sein“, meint mein Freund sachkundig. „Und der Stein ist Miriams Quelle!“[1], füge ich hinzu.

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Informativ ist auch die Tafel mit der drehbaren Kolumne, die veranschaulicht, in welcher Religion welche der Zehn Gebote wie gezählt werden.

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Am steilen Weg hinauf zum christlichen Teil witzeln wir ein Wenig über die Rolle des Leidens im Christentum.

Der Garten der Religionen hat noch je einen Bereich für Islam, Buddhismus und Hinduismus. Tatsächlich hat Stift Altenburg dem Thema der verschiedenen Religionen das größte Gartenareal der ganzen Anlage gewidmet. Dabei sollen, basierend auf Nostra Aetate, sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede dargestellt werden.[2] Als wir später Abt Christian besuchen gehen, erzählt er uns nicht nur bereitwillig einiges über das Leben im Kloster, sondern lädt uns auch ein, wiederzukommen und die aktuelle Ausstellung anzusehen. Im Herbst werden wir das sicher machen. Vielleicht ist bis dahin der Garten auch wieder beschildert.

 

 

[1] https://www.chabad.org/library/article_cdo/aid/3916196/jewish/Miriams-Well-Unravelling-the-Mystery.htm

[2] https://www.stift-altenburg.at/kultur-tourismus/stiftsgaerten/

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