Jüdin werden, Teil I: Im Anfang

Nicht mehr beruflich im interreligiösen Dialog zu arbeiten, bedeutet auch, dass ich jetzt im weiten Meer des Judentums schwimme und mich selber definieren muss. Ich habe nicht mehr die angenehme klare Kontur, die mir Leute anbieten, indem ich „die jüdische Vertreterin“ bei einer Veranstaltung bin oder mir „als Expertin“ eine für möglichst viele jüdische Gruppierungen funktionierende Antwort auf eine Frage aus den Fingern saugen muss. Das löst einen Haufen Gefühle bei mir aus: Angst, Freiheit, Neugier, Unsicherheit…und auch beim Schreiben habe ich gemerkt, dass ich echt kein Problem habe, über meine Erfahrungen im interreligiösen Dialog zu berichten. Aber wenn es um das Jüdischsein geht, meine nur-eigene Sache, bei der es nicht um die Relation zu Anderen geht – uff. Ich zittere. Wo fange ich da eigentlich an? Mag ich das erzählen? Will das überhaupt jemand lesen? Aber in einer Zeit, in der „What I eat in a day“- und „Draw my life“-Videos mehrere Millionen Leute interessieren können, nehme ich mir mal heraus, meine klammen Versuche, mich in meiner eigenen Religion zurechtzufinden, mit euch zu teilen.

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(Meine) Religiosität in der Krise

Immer wieder kann man in verschiedenen Medien lesen oder hören, dass sich die Religiosität der Leute wandelt, dass sie weniger religiös sind, lieber individuell religiös, dass sie nicht mehr so viel in die Kirche gehen wie früher, aber gleichzeitig viel konservativer sind als noch ihre Eltern… ich glaube, für uns österreichische Jüd_innen gibt es da nicht einmal richtige Statistiken (wir scheißen uns aus nachvollziehbaren Gründen davor an, auf irgendeine Weise vermessen und gezählt zu werden). Und je nachdem in welchem Umfeld du dich bewegst, wirst du einen ganz anderen Eindruck bekommen. Was mir jedenfalls auffällt, ist, dass ich viel höre, dass immer mehr Leute (christliche? Auch jüdische?) anscheinend ein Problem mit Religion haben, ich aber noch von wenigen Menschen persönlich gehört habe, was ihre Krise mit der Religion ist. Vor Kurzem wollte ich bei einer Pfarrveranstaltung mit den Teilnehmenden über Momente reden, in denen sie sich gedacht haben: „So, das ist es, jetzt kehre ich um und werde religiös!“ – und es dann doch gelassen haben. Es kam nicht zu diesem Gespräch. Aber die krisenhaften Momente eines religiösen Lebens interessieren mich nach wie vor, und um die Konversation zu starten, erzähle ich mal ein Bisschen von meinen aktuellen religiösen Problemen. Weiterlesen „(Meine) Religiosität in der Krise“