Schmonzelach Un Tinef

*Unnötige Kleinigkeiten und Wertloses Zeug

>>> Hier gehts zum Crowdfunding: https://www.startnext.com/schmonzelachuntinef

Es ist hier. Es ist da. Das Große, an dem ich seit einiger Zeit mit Hingabe arbeite. Aber der Reihe nach:

Vor einiger Zeit habe ich den Text Gimme the Kitsch! geschrieben, in dem ich meiner Frustration darüber Ausdruck verliehen habe, dass es um Dezember herum Unmengen an Weihnachtsdekoration und kitschigem XMas-Nippes gibt, aber Channukkah einerseits in der öffentlichen Wahrnehmung kaum vorhanden ist und es andererseits auch keine große Auswahl an schöner und kreativer jüdischer Deko und Kleinzeug in Österreich gibt. Einige von euch werden auch wissen, dass ich derzeit arbeitslos bin und mich nach der doch längeren Zeit im interreligiösen Dialog neu orientieren will. Anfang Dezember sind dank eines Berufsorientierungsworkshops diese beiden Faktoren kollidiert. Die Ausgeburt dieses Urknalls könnt ihr in diesem Video sehen:

 

Links: StartNextSchmonezalchuntinef.com, Facebook, Instagram

Die Finanzierungsphase läuft bis 20. Februar 2019.

Noch ein paar Monate darauf zu verzichten, den Vollzeitjob fürs Leben zu suchen und stattdessen einen Traum zu verfolgen, von dem ich ab und zu denke, dass viele ihn für einen Scherz halten werden, fühlt sich für meine sicherheitsbedürftige Psyche in etwa an wie ein mehrmonatiger Off-Road-Trip durch Australien. Dass ich damit trotzdem etwas Neues ausprobiere, hat mit den vielen günstigen Sternen zu tun, die im Moment (manche auch ständig) scheinen: Das Gefühl, das ihr Blogleser_innen mir im letzten Jahr gegeben habt, dass Menschen durch meine Ideen unterhalten werden können und dass es in Ordnung ist, mehr von sich zu zeigen. Der Rat einer ehemaligen Studienkollegin, „mir Erlaubnis zu geben“. Die Unterstützung meiner Familie und Freund_innen und das tolle Beratungsangebot von Arbeitsmarktservice und Wirtschaftskammer. Und – ganz wichtig – das Wissen, dass in diesem Jahr Weihnachten und Channukkah genau zusammenfallen werden und ich mich schrecklich fühlen würde, wenn ich all diese glücklichen Umstände nicht dazu genutzt hätte, endlich anständigen Channukkah-Christbaumschmuck in die Finger zu bekommen.

Bis jetzt war es schon eine aufregende Reise: Zu lernen, wie man ein Video schneidet und diverse Dinge einfügt, mich in österreichisches Steuerrecht einzulesen und immer wieder ein Hindernis nach dem nächsten am Horizont auftauchen zu sehen und rasch eine Lösung dafür finden zu müssen, waren nur einige Stationen davon. Es gibt Tage, an denen ich überzeugt bin, dass ich einfach komplett meschugge geworden bin und das Ganze nie im Leben Erfolg haben wird, geschweige denn einen Mehrwert für die jüdische Community darstellt. Dann stelle ich mir wieder vor, wie es sein wird, wenn alles gut ausgegangen ist, ich mit einer Freundin hinter dem Stand bei Limmud stehe und mit einem strahlenden Lächeln jüdischen Familienvätern Kindertischunterlagen zum Ausmalen für die jüdischen Feiertage in die Hand drücke. Ich wünsche mir, dass diese Reise weitergeht – und dass mehr und mehr Reisegefährten mit an Bord kommen.

Also, zum ersten Mal eine Werbeeinschaltung auf diesem Blog: Such dir ein oder mehrere Dankeschöns aus, shik mir a Gelt, und erzähl deinen Leuten, dass diese eine jüdische Bloggerin jetzt völlig durchgedreht ist (aber hoffentlich auf eine unterhaltsame Weise). DANKE!!!

12 Kommentare zu „Schmonzelach Un Tinef“

  1. Hat dies auf Carmilla DeWinter rebloggt und kommentierte:
    In meiner Blase reden grade unglaublich viele Leute über Marie Kondo und ihre Aufräumvideos. Dass wir alle zu viel Kram besitzen würden und dass der belastet etc.
    Was aber, wenn ein Mensch gern passenden Kram hätte, aber keinen kriegt, weil die Mehrheitsgesellschaft in dieser Person keine Zielgruppe sieht?

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    1. Ich habs dort schon geantwortet, aber vielleicht hier noch mal: Das ist eine sehr genaue Beobachtung und gute Kontextualisierung. Es hat mir schon einiges Kopfzerbrechen bereitet: Da möchte ich eigentlich privat weitestgehend auf Plastik und überflüssiges Festhalten an Dingen verzichten – und dann ist es gleichzeitig mein Traum, kleine (Plastik)teile erschwinglich zu machen, damit man sich mehr jüdischen Nippes kaufen kann. Aber mein Freund und ich hatten die Situation schon mal – wir haben den Großteil des letzten Jahres Zero Waste gelebt, aber jede_r hatte 3-5 Ausnahmen. Für seine tschechische Identität gehen verpackte Horalky-Waffeln, Vánocka und Syr vor plastikfrei. Ich finde, als Minderheit die eigene Identität zu stärken hält einen gesund (somit macht der akkumulierte Kram nicht krank) und darf auch Vorrang haben.

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  2. Auch wenn ich nicht auf Deko stehe, ich drücke Dir die Daumen.
    Was Sichtbarkeit betrifft: Mensch muss sich im Alltag zeigen, wie Mensch ist, auch wenn das zu Anfeindungen führen kann.
    Vor ein paar Jahren küsste ich auf dem Markt meine Liebste auf die Wange. Solche wie euch sollte man verg…, sagte ein Mann. Mich traf das im Magen, ich drehte mich um. Wann haben Sie zuletzt geküsst? Sie küsste meinen Mund.
    Nicht immer bin ich in Worten und gewaltfreien Taten schlagfertig.
    Was hülfe eine Wohnung voll mit Regenbogenkram bis hin zum Popapier (gibt es tatsächlich), wenn ich im Büro von meinem Mann erzähle und mit einer Frau lebe? (Den Weg ging eine einstige Kollegin, in ihrer Wohnung war ich nie.)
    Was hilft ein großer Leuchter zu Channukkah auf dem Marktplatz einer Stadt, wenn, er da großartig eröffnet wird, dann stehen bleibt mit einem Schild, das unbeleuchtet.
    Wie jedes Jahr stand der Ihrige im letzten bei der Freundin im Fenster, in neuer Nachbarschaft. Beim Einkaufen traf sie die Familie von gegenüber. Die Frau trägt ein Kopftuch und lange Sachen. Warum brennt bei Dir jeden Tag eine Kerze mehr, wollten die Kinder wissen. Sie hat das erklärt.
    Auch ihr, lesbisch und liberal gelingt das nicht immer.
    Vor Jahren radelte ich mit meiner Partnerin in Masuren. Auf unsern Rädern klebten Regenbögen, ich trug einen als Tuch. Wir hielten an einem Dorfladen, gingen hinein, wurden ob der der Farben wortreich, freudig begrüßt. Es war Pfingsten, wir verstanden Nichts, zuckten die Schultern, sagten „niemcy“, wurden zum Essen eingeladen, gingen aus Neugier mit und hatten eine gute Zeit. Eine alte Nachbarin übersetzte. Wir haben nicht gesagt, was diese Farben und bedeuten.
    Vielleicht kann ja auch Channukah-Tinnef mehr als eine Frau ernähren.

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    1. Das Eine ist die Sichtbarkeit. Das andere ist das Lebensgefühl. Beide hängen zusammen. Was jüdische Deko und Papeterie hilft: Ich kann sie ansehen und wissen, dass es woanders Jüd_innen gibt, die so satt am Notwendigen sind, dass sie es schaffen, sich Überflüssiges auszudenken. Ich kann das Gefühl haben, jemand hat etwas für mich gemacht, und ich muss nicht alles selber basteln – denn das ist der Weg, dein einige in meinem Freundeskreis gehen, wenn sie schöne Channukkahkarten oder Wandschmuck haben wollen. Willst du was, musst du es dir selber machen. Das ist keine angenehme Botschaft.
      An der Sichtbarkeit oder dem Minderheitenstatus wird ein Pop-Up-Stand ein paar Mal im Jahr nicht viel ändern. Ich bemerke aber schon, dass mir öffentliche Sichtbarkeit des Judentums etwas gibt, ob es das jiddische „Taborstraße“-Schild ist oder das riesige „Museon“-Neonschild vor dem jüdischen Museum. Es macht mich glücklich und gibt mir das Gefühl, weniger allein zu sein, wenn ich so was sehe. Ich war auch immer ganz glücklich, wenn ich andere Jüd_innen auf der Straße entdeckt zu haben glaubte – bis ich draufgekommen bin, dass die Chamsa jetzt ein Fashion-Trend ist.
      Situationen wie Du sie erlebt hast sind scheußlich. Wegen so was sind Allies gut, die an einen denken, wo man sonst immer an sich erinnern muss, und die einem Platz geben, ohne dass man ihn sich nehmen muss, und die für einen aufstehen, wenn man schon zu müde geworden ist.
      Vielen Dank für die guten Wünsche. Ich weiß nicht, welche Frau Du mit „ernähren“ meinst – leben werde ich nicht können davon, schon weil es mir wichtig ist, identity shopping zu erträglichen Preisen möglich zu machen. Wird wohl ein Nebenjob. Aber ich habe so viel Freude daran, dass das grade ganz egal ist:-)

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  3. Sichtbarkeit und Lebensgefühl hängen auch für mich zusammen. Auch ich genieße es, nicht alles selber machen zu müssen, Zeichen zu finden, wenn sie mir echt vorkommen (Bei einem Discounter kleben seit einer Weile Regenbogenflaggen an jeder Eingangstür, da zweifle ich.) auch an Menschen, lassen mich manchmal lächeln, wecken in mir das Gefühl, nicht so allein zu sein.
    Dich hatte ich gemeint mit der Frau, die es zu ernähren gilt, da hatte ich noch nicht verstanden, Du planst einen Nebenjob. Ich begrüße Dein Projekt, freue mich mit Dir, auch wenn Du von Geberinnen blogst. Erklärst Du mir, was Du mit „Chamsa“ meinst? Ich kenne unter diesem Wort nur das Symbol für Fatimas Hand. Das scheint mir nicht zu passen.

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    1. Tut mir leid, dass es mit der Antwort etwas gedauert hat. Die Chamsa ist ein jüdisches Symbol, das aber aus dem arabischsprachigen Raum kommen dürfte. Chamsa ist Arabisch (hebr. Chamesch), das bedeutet fünf, die fünf Finger. Sie wird mit der schützenden Hand Gottes assoziiert. Es gab mal in der jüdischen Allgemeinen einen Artikel drüber: https://www.juedische-allgemeine.de/allgemein/schuetzende-hand/
      Ich mag die Chamsa als jüdisches Symbol sehr, besonders als Zeichen der Verbindungen mit der muslimischen Community. Den Chamsa-Anhänger, den ich zur Bat Mizvah bekommen habe, trage ich deswegen gerne bei muslimisch-jüdischen Dialogveranstaltungen.

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      1. Danke für die Antwort jetzt. Bin wieder wach, aber zu müde, den Artikel jetzt zu lesen und bin gespannt. In meinen Augen und das finde ich spannend, haben die abrahamitischen Religionen viele Gemeinsamkeiten, in allen Unterschiedlichkeiten.

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